Der Influencer-Trick mit dem leeren Kühlschrank: Warum in den teuersten Küchen am wenigsten gekocht wird

Marmorinseln, Designer-Armaturen, ein Kühlschrank so gross wie ein Kleiderschrank – und drinnen? Drei Limetten und ein Glas Sprudelwasser. Wir verraten, warum die schönsten Küchen oft die leersten sind.

Nadia BrunnerRedaktorin Lifestyle & Trends5 Min. Lesezeit
Pastellfarbene Designerküche mit hellem Marmor und Morgenlicht

Es ist das wiederkehrende Bild in unzähligen Wohn-Touren: Eine Influencerin öffnet lässig die Tür ihres riesigen Kühlschranks – und dahinter gähnt erschreckende Leere. Ein paar Glasflaschen, ein perfekt drapiertes Bund Kräuter, vielleicht ein Glas mit etwas Undefinierbarem. Die Küche kostet ein Vermögen, gekocht wird darin offensichtlich kaum. Wie passt das zusammen?

Die Küche als Bühne

Die Antwort ist simpel: In der Welt der schönen Bilder ist die Küche längst keine Werkstatt mehr, sondern eine Kulisse. Sie muss nicht funktionieren, sie muss fotogen sein. Gebrauchsspuren, ein dampfender Topf oder gar Abwasch stören die makellose Ästhetik – also bleiben sie konsequent draussen. Was bleibt, ist eine Bühne für das perfekte Frühstück, das in Wahrheit nach dem Foto im Müll landet.

Hinzu kommt ein praktischer Grund: Wer ständig unterwegs zu Terminen, Events und Shootings ist, hat schlicht keine Zeit für ausgiebige Kochsessions. Der Lieferdienst ersetzt die Pfanne, und der teure Backofen dient vor allem als glänzender Hintergrund.

Pastellfarbenes Flatlay mit Limetten, Sprudelwasser und frischen Kräutern
Pastellfarbenes Flatlay mit Limetten, Sprudelwasser und frischen Kräutern

Der stille Statuswettbewerb

Der leere Kühlschrank ist dabei längst zum eigenen Statussymbol geworden. Er signalisiert: Ich bin so beschäftigt, so unterwegs, so gefragt, dass ich gar nicht zum Kochen komme. Was früher als Anzeichen für eine vergessene Einkaufsliste galt, gilt heute als Beweis eines aufregenden Lebens.

  • Glasflaschen statt Vorräte – Hauptsache, es glänzt
  • Frisch drapierte Kräuter, die nie verwendet werden
  • Der Lieferdienst als heimlicher Lieblingskoch
  • Leere als Beweis für ein randvolles Leben

Die schönste Küche ist oft die, in der noch nie ein Ei gebraten wurde.

Eine Schweizer Einrichtungsberaterin

Was wirklich dahintersteckt

Bevor wir zu hart urteilen: Niemand muss kochen, um glücklich zu sein, und eine schöne Küche ist kein Verbrechen. Spannend ist vielmehr, wie geschickt aus einem ganz normalen Umstand ein begehrenswertes Bild gemacht wird. Der leere Kühlschrank verkauft kein Essen, sondern ein Lebensgefühl.

Unser Tipp für alle, die zu Hause neidisch in ihre vollgestopften Regale blicken: Atmen Sie durch. Ein Kühlschrank voller Reste ist kein Makel, sondern ein Zeichen von echtem Leben. Und wer ehrlich ist, weiss: Das spontane Mitternachtssandwich schmeckt sowieso besser als jedes perfekt ausgeleuchtete Smoothie-Bowl-Foto.

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